Tag 1: Ankunft in Porto

Gerade sitze ich mit meinem Tablet auf unserem kleinen Hotelbalkon. Von unserem Zimmer haben wir einen herrlichen Blick über Porto bis hinunter zum Douro, der mitten durch die Stadt fließt. Rechts und links des Flusses erstreckt sich das hügelige Porto.

 

Wie hügelig haben wir bereits bei unserem Fussmarsch von der U-Bahn-Station zu unserem Hotel bemerkt. Nach dem ersten Frischmachen erkundeten wir bereits die Stadt und haben ca. 10 Meter vor unserem Hotel den ersten Hinweis auf den Jakobsweg gefunden. 

 

In der Kathedrale bekamen wir bereits den ersten Stempel für den Caminho Português. 

 

Die Stadt ist sehr lebhaft und man sieht an allen Ecken und Enden, dass der Tourismus Einzug hält. Überall wird gebaut und in manchen Straßen reiht sich ein Souvenirladen an den anderen. Aber es gibt viele kleine Gässchen mit kleinen Cafés und Kneipen. Beeindruckend ist die Stahlbrücke Ponte der Luis I., die von Gustav Eiffel konstruiert wurde. Aber auch die Bahnhofshalle von S. Bento, deren Wände mit bemalten Fliesen verkleidet sind. Porto steht Delft da in nichts nach. 

 

Jetzt werden wir uns auf den Weg zu unserem Abendessen machen und den Abend bei einem gemütlichen Gläschen Portwein ausklingen lassen.

Tag 2: Porto/Gaia

Unser kleiner Hotelbalkon entwickelt sich zu meinem Lieblingsplatz. Ich sehe hinunter bis zum Douro und die Möwen ziehen kreischend ihre Bahnen.

 

Ein paar Straßen von unserem Hotel hat Sportstour ihre Geschäftsstelle. Mein Mann hatte bei seinem ersten Besuch in Porto eher zufällig eine Tour gebucht. Da er aber mit seinem deutschsprachigen Guide so zufrieden war, war Filipe auch dieses Mal unsere erste Wahl.

 

Und so ging es heute Morgen mit E-Bikes los, um Porto besser kennen zu lernen. Filipe zeigte uns viele tolle Ecken mit teilweise toller Aussicht und immer sehr vielen Infos. So lernten wir beispielsweise, dass die bekannteste Brücke gar nicht von Eiffel selbst, sondern von einem seiner Studenten entworfen wurde. Eiffels Brücke steht ein paar Kilometer weiter am Rande der Stadt. Außerdem erstreckt sich Porto nicht auf beiden Seiten des Douro, sondern die gegenüberliegende Seite ist Gaia. Dort befinden sich auch die ganzen Portweinlager. 

 

Auf unserer Tour durch Porto fanden wir immer wieder Hinweise auf den Jakobsweg. Die gelben Pfeile ziehen sich durch die ganze Stadt. Wir werden morgen mit der historischen Stadtbahn bis zur Küste fahren und von dort unseren Weg starten.

Tag 3: von Porto nach Vila do Conde

Nachdem wir gestern Abend schon die historische Bahn ausprobiert haben und bereits einige Kilometer am Wasser entlanggingen, haben wir diesen Teil der Strecke heute Morgen mit dem Bus zurück gelegt. Um 9.00 Uhr waren wir dann auf unserem Camino. Wir haben uns entschlossen den Küstenweg zu nehmen. Hier führt der Weg mehr oder weniger "am Meer entlang" und man kann sich eigentlich nicht verlaufen. Es geht lange Strecken auf Holzpfaden, die direkt hinter dem Strand oder den Dünen angelegt sind. 

 

Wir sind nur unterbrochen von zwei kleinen Kaffeepausen bis kurz vor Vila do Conde durchgewandert. Nachdem nach der Mittagszeit meine Laune aufgrund von Schmerzen im Fuß und Hunger im Keller war, haben wir doch noch eine Mittagspause in einem Café eingelegt. Nach insgesamt 24,46 Kilometer zu Fuß kamen wir nachmittags in Vila do Conde an. Wir sind in einem Hotel untergekommen, das schon bessere Zeiten gesehen hat. Aber wir haben ein eigenes Zimmer und ein eigenes Bad.

 

Im Hotel angekommen bin ich sofort auf das Bett gefallen und habe erst einmal zwei Stunden geschlafen. Inzwischen haben wir geduscht und unsere Füße eingerieben. Jetzt werden wir noch ein bisschen die Stadt erkunden. Vielleicht treffen wir auch noch den einen oder anderen Pilger wieder, den wir heute schon auf dem Weg getroffen haben.

Tag 4: von Vila do Conde nach Rio Alto

Gestern hatten wir unser erstes Pilgermenü. In einer kleinen Kneipe in Vila do Conde. War lecker und super günstig.

 

Bei strahlendem Sonnenschein und um die 20 bis 24 Grad machten wir uns heute wieder auf den Küstenweg. Heute ging es nicht kilometerweit auf Holzstegen, sondern auch durch kleine Städtchen und entlang von Strandpromenaden, die sogar mit Popmusik beschallt wurden. Unsere heutige Strecke haben wir etwas kürzer geplant. Am Ende waren es dann aber doch 18,5 Kilometer. Aber es ging schon besser ;-).

 

Wir haben uns ein Mobilhome auf einem Campingplatz in Rio Alto angemietet. Hier haben sich schon einige Pilger eingefunden und nach und nach treffen immer mehr ein. Ich denke, wir retten dem Besitzer die Nebensaison, aber wir haben mit dem Vorzeigen des Pilgerausweises auch einen Sonderpreis bekommen. Ich bin gespannt, wie viele Gleichgesinnte wir heute Abend beim Abendessen treffen.

Tag 5: von Rio Alto nach Chafé

Oje, gestern war ich so fertig, dass ich nicht einmal mehr meinen Blog schreiben wollte. Aber von Anfang an:

 

Wir hatten einen sehr lustigen Abend auf dem Campingplatz in Rio Alto. Es war fast nur deutsche Pilger da und so wurden die ersten Erlebnisse ausgetauscht und die Wehwehchen beklagt. Der junge Kellner, der aber auch für die Kaffeebar und den kleinen Supermarkt zuständig war, war etwas überfordert ob der großen Anzahl an Pilger. Aber es waren alle sehr geduldig und entspannt.

 

Am nächsten Morgen ging es dann los. Da meinem Mann die vorgeschlagenen Etappen von insgesamt 15 Kilometer zu kurz waren, haben wir uns entschlossen die nächste Etappe noch zur Hälfte anzugehen und buchten eine Pension in Chafé.

 

Aber irgendwie hatten wir uns verschätzt oder was weiß ich. Auf jeden Fall kamen wir erst nach 31,5 Kilometer in Chafé ein. Es hat sich gezeigt, dass meine Schmerz- und Gute-Laune-Grenze eindeutig nur knapp über 20 Kilometern liegt. Vor allem bei diesen Bedingungen: Kopfsteinpflaster, Höhenunterschiede und warmes Wetter. Auch wenn der Weg viel mehr Abwechslung als der reine Küstenweg bot. 

 

Endlich in Chafé angekommen haben wir unser Zimmer in einer kleinen Pension bezogen. Ein reizend umgebautes und modernisiertes altes Haus mit einer sehr netten und hilfsbereiten Wirtin. Hier konnten wir auch gleich noch die erste Ladung Wäsche waschen.

Ich muss mal gleich schauen, ob sie trocken ist, damit wir wieder los können.

Tag 6: von Chafé nach Pacó

Die Wäsche war trocken und so ging es zuerst nach Viano do Castelo. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung ging es wieder zum Küstenweg zurück.

 

Nach einem kleinen Abstecher durch ein Industriegebiet hatten wir auch den Holzsteg gefunden, der am Meer entlang zu unserem nächsten Ziel führte. Die letzten Kilometer ging es wieder durch Ortschaften bergauf über Kopfsteinpflaster. Nach 21 Kilometer erreichten wir unsere Pilgerherberge. 

 

Da der Laden in dem kleinen Ort zu war und es auch kein Café oder Restaurant gibt, packte die Mutter des Wirtes ein Auto voll mit Pilger und wir gingen im nächsten großen Supermarkt einkaufen. Abends kochten Einige etwas und es wurde alles auf einen großen Tisch gestellt und geteilt. Es war eine sehr bunte Runde: eine Tschechin, eine Dänin, zwei Italiener, ein Franzose, ein Portugiese, sieben Deutsche und sogar eine Hawaianerin. Es wurde wild durcheinander in Englisch, aber auch mit Händen und Füßen gesprochen. Es war ein sehr lustiger Abend mit einigen Flaschen Rotwein.

 

Den Bericht konnte ich leider erst am nächsten Tag schreiben, da das Internet so schlecht war. Dafür hatten wir sogar einen "Pool" (s. Foto).

Tag 7: von Pacó nach Caminha

Das mit den Bildern gestaltet sich wohl etwas schwierig. Ich versuche das nachzuholen.

 

Heute haben wir die 100 Kilometer-Marke geknackt. Ich bin jetzt schon sehr stolz und fühle mich als richtiger Pilger. Heute waren es wieder um die 20 Kilometer Fußweg. Sehr abwechslungsreich durch Dörfer, Wälder und am Meer. Wir sind hier auf einem Campingplatz und liegen gerade noch ein bisschen am Strand, um unsere müden Füße auszuruhen. 

 

Die Flasche Rotwein ist schon kalt gestellt und es sind auch schon einige Mitpilger eingetroffen.

 

 

Tag 8: von Caminha nach Vila Nova de Cerveira

Heute haben wir eine kürzere Strecke (18,5 Kilometer) gewählt. Wir haben uns entschlossen den gut ausgebauten Fuß- und Radweg entlang des Rio Miño zu gehen. Das spart einige Höhenmeter und es ist sehr erholsam nicht so viel auf Kopfsteinpflaster zu treten.

 

Wir haben uns hier in Vila Nova de Cerveira in einer Ferienwohnung eingemietet. Unser Vermieter ist sehr hilfsbereit. Er hat mich sogar noch in den Supermarkt gefahren, um unsere Wasser- und Obstvorräte aufzufüllen. Und wir können umsonst waschen. Überhaupt haben wir hier in Portugal sehr viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit für uns Pilger erfahren. 

 

Aber eigentlich wollte ich noch von unseren Begegnungen mit anderen Pilgern erzählen. Wir haben auf unserem Weg natürlich die obligatorischen jungen Leute vor, während und nach dem Studium getroffen. Und die rüstigen Rentner, die den Rucksack voll mit Plaketten über die abgelegten Pilgerstrecken haben. Bitte nicht falsch verstehen, ich habe sehr viel Hochachtung vor JEDEM, der diesen Weg auf sich nimmt. 

 

Wir haben auf unserem Weg aber auch andere Menschen getroffen. Ein älteres Ehepaar aus Kanada, das extra für den Jakobsweg nach Europa gekommen ist. Eine Hawaianerin in den Fünfzigern, die in drei Monaten den französischen und den portugiesischen Jakobsweg geht. Oder der Franzose in den Dreißigern, der keinen Job und auch momentan keine Wohnung hat und nun in drei Monaten beide Wege geht. 

 

Es hat mich auch verwundert, wie viele Pilger ihre Weggefährten erst auf dem Jakobsweg finden. Hinweg über Geschlechter, Nationen und Alter tun sich Menschen zusammen, um den Rest des Weges oder auch nur einen Teil gemeinsam zu gehen. Wie Michaela und Werner aus Essen, die mit einem Portugiesen weiterpilgern, dessen Weggefährte krankheitsbedingt abbrechen musste. 

 

Morgen möchten wir die spanische Grenze erreichen und vielleicht schon überqueren. Mal schauen wie weit der Weg uns führt, wir wollen nicht so viel planen.

Tag 9: von V. N. de Cerveira nach Valenca

Wir sind in Valenca, unsere letzte Station in Portugal. Wenn man die beeindruckende Stadtmauern der Altstadt sieht, dann kann man sich sehr gut vorstellen, dass sich diese Stadt erfolgreich gegen die Übernahme durch die Spanier wehrte. Heute leben die Bewohner von Valenca hauptsächlich vom Tourismus. Und so ist es nicht sehr spirituell auf dem Jakobsweg durch die Altstadt zu gehen. 

 

Wir waren schon am frühen Nachmittag in der Stadt eingetroffen. Wir hatten zwei sehr nette Wegbegleiter aus Köln und Pforzheim und so ließen sich die 20 Kilometer gut bewältigen. Zwischendurch hatten wir sogar noch ein junges Paar aus Neuseeland getroffen. Unglaublich, wo die Leute überall herkommen, um den Camino zu gehen. 

 

Und so sitzen wir nachmittags gemütlich mit einer Tasse Kaffee in der Altstadt und waren eigentlich nicht mehr als Pilger zu erkennen. Unsere Rucksäcke hatten wir bereits in unserer Unterkunft gelassen. Da setzen sich neben uns zwei Österreicher und wir kommen zufällig ins Gespräch. Wir haben einen sehr lustigen und interessanten Nachmittag mit Leopold und seinem Neffen Manuel verbracht. Leopold ist schon ein "alter Hase", was den Camino angeht. Und wir waren uns sofort einig, dass es Begegnungen wie diese sind, die den Jakobsweg ausmachen. Wir wollen uns in Santiago auf jeden Fall nochmal treffen.

Tag 10: Wir sind in Spanien

Heute Morgen hat mir Valenca viel besser gefallen. Als wir heute in der Frühe die Stadt Richtung internationale Brücke durchquerten, schlief die Stadt noch. Außer ein paar Pilgern und einzelne Einheimische lag die Stadt ruhig da. Nach einem letzten portugisischen Stempel in unserem Pilgerpass ging es über die Brücke, auf der man eine Landes- und Zeitgrenze überschreitet. 

 

In der spanischen Grenzstadt Tui führt der Pilgerweg direkt zur Kathedrale, die hoch über der Stadt trohnt. Heute trafen wir zum ersten mal einige Pilgergruppen, die nur mit einem Tagesrucksack unterwegs waren. Das restliche Gepäck wird zur nächsten Übernachtung gebracht. Obwohl auch deutsche Gruppen dabei waren, kam man mit diesen schlecht ins Gespräch, da sie doch sehr unter sich blieben. 

 

Unsere heutige Fußetappe führte uns bis O Porriño. In unserem Pilgerführer war diese Strecke mit 20,7 Kilometer angegeben. Unsere GPS-App zeigte mal wieder einige Kilometer mehr, nämlich über 26 Kilometer an. Wie auch immer war es auf jeden Fall sehr anstrengend, obwohl es zeitweise angenehm bewölkt war. 

 

Da wir inzwischen wissen, dass wir nicht die ganze Strecke nach Santiago zeitlich zu Fuß schaffen, haben wir beschlossen Etappen mit dem Bus zurückzulegen. Da wir unbedingt zu Fuß in Santiago eintreffen möchten, hängten wir diese Busfahrt heute dran. Und so ging es heute von O Porriño über Vigo nach Pontevedra. Wir sind hier in einem relativ neuen Pilgerhostel gegenüber der öffentlichen Herberge untergebracht. 

 

Mein Mann versucht nun seinen Fuß zu erholen. Er hat seit zwei Tagen eine Entzündung am Schienbein und inzwischen ist der ganze Knöchel geschwollen. Mal schauen, wie er morgen auftreten kann. Da sind die Blasen, die wir beide haben, fast nicht mehr erwähnenswert.

Tag 11: Der Camino entschleunigt uns

Wir hatten die letzten Etappen so schön geplant. Die letzten rund 60 Kilometer nach Santiago wollten wir in drei Tagen schaffen. Aber manchmal funktioniert das Leben nicht so planbar. Und so haben wir heute einen entschleunigten Tag eingelegt. Heute Morgen besichtigten wir noch Pontevedra. Einfach mal in Ruhe in einer Kirche zu sitzen und sich nicht zu überlegen, welche Strecke man noch laufen muss, das hat auch etwas. 

 

Und so sind wir heute nach einer recht kurzen Strecke von rund 15 Kilometer in den Bus gestiegen, um bis Padron weiterzufahren. Somit haben wir noch zwei kürzere Tagesetappen nach Santiago.

 

In Padron dreht sich alles um den heiligen Jakobus. Hier soll er seine erste Rede auf spanischem Boden gehalten haben und in der Jakobuskirche liegt unter dem Hochaltar der Stein, an dem später das Boot, mit dem Leichnam an Bord, festgemacht wurde.

 

Wir sind hier in einer kleinen privaten Pilgerpension untergebracht. Marissa und Santiago sind ein älteres und sehr herzliches Ehepaar. Als wir heute Mittag gegen 16.00 Uhr eintrafen, waren sie gerade beim Essen. Und so wurden wir auch gleich mit einem Vesper versorgt.

 

Außer uns sind noch vier Chinesen da. Und da Santiago nur wenige Worte Englisch und kein Deutsch oder Chinesisch kann, spricht er alles in sein Handy und lässt es übersetzen. Das ist echt so goldig. 

Und Marissa hat sogar unsere Wäsche gewaschen. Solche Sachen passieren dir nur auf dem Jakobsweg.

Tag 12: Wir sind fast da

Heute Morgen saßen wir mit unseren Mitbewohnern, die übrigens aus Taiwan stammen, beim Frühstück mit Kaffee und reichlich Suppe zusammen. Jaqueline pendelt zwischen Hongkong, Shanghai und Taiwan und ihre 21-jährige Tochter lebt in London. Sie spricht daher sehr gut englisch und wir konnten uns gut verständigen. Wir kamen auf die Gründe, warum sie und ihre drei Begleiter den Jakobsweg gehen. Taiwan ist ja nicht gerade für seine katholische Heiligenverehrung bekannt. Und so erzählte jeder seine Geschichte. Wildfremden Menschen, die ein Weg zufällig zusammen gebracht hat. Es war sehr bewegend und anschließend lagen wir uns weinend in den Armen. Das ist es, was der Camino mit einem macht und was den Camino ausmacht. Darum kommen wohl Menschen aus der ganzen Welt zusammen, um einen Weg gemeinsam zu gehen.

 

Nach einem herzlichen Abschied ging es heute auf unsere zweitletzte Etappe von Padron nach Teo. Es war wieder eine kürzere Etappe, aber dem Fuß meines Mannes tut das gut. Und nachdem ihm unsere Herbergsmutter gestern Abend noch ein Salz-Fussbad verpasst hat, geht es seinem Fuß auch schon viel besser.

 

Leider war unsere Wäsche von gestern noch nicht trocken. Und so hing alles, wie bei vielen anderen Pilgern auch, von außen am Rucksack. Aber das gehört auch dazu. Wir sind jetzt hier in Teo in einer Pilgerpension untergebracht und freuen uns auf unsere letzte Etappe. 

Tag 13: Wir haben es geschafft!!!

Wir sind da. Heute Morgen sind wir extra früh aufgebrochen, um noch beizeiten in Santiago zu sein. Die letzten Kilometer ging es immer bergauf und bergab. Aber die Vorfreude trieb uns auf den letzten 16 Kilometern voran. 

 

Und wen treffen wir nicht auf den letzten Metern vor der Kapelle? Manuel und sein Onkel Leopold aus Österreich. Die letzten Meter legten wir dann gemeinsam zurück, wobei uns Leopold in seiner Vorfreude fast davon eilte. Und dann standen wir endlich vor der Kathedrale. Das heißt nicht lange, wir taten es den anderen Pilgern gleich und legten unsere Rucksäcke ab, zogen unsere Schuhe aus und legten uns vor der Kathedrale auf den Boden. Ein tolles Gefühl.

 

Mehr später.

Tag 14: Santiago

Wir hatten gestern noch einen schönen Abend in Santiago. Wir haben hier sehr zentral in der Stadt ein Hostel bezogen. Sehr gemütlich und dank der guten Kontakte der Jakobusfreunde unseres Heimatorts ein Zimmer nach hinten, das auch sehr ruhig ist. Sehr zu empfehlen. Nachdem wir uns frisch gemacht und eine Kleinigkeit gegessen hatten, ging es wieder los.

 

Auf unserem Streifzug durch die Stadt trafen wir auf eine kleine Menschenmenge mit Handykameras im Abschlag. Auf unsere Nachfrage erklärte man uns, dass Königin Sofia von Spanien, die Mutter des amtierenden König Filipe in der Stadt wäre. Wir sahen sie dann sogar noch. Das passiert einem auch nicht alle Tage.

 

Später hörten wir dann noch ein Straßenkonzert der "Tuna", einer recht bekannten Straßenband, die eigentlich auf die Tradition einer Studentenband zurückgeht. Sie hatten gleich ein großes Publikum und es herrschte eine tolle Stimmung. 

 

Da wir schon an der Kathedrale waren, wollten wir gleich auch noch einen anderen Kult unter Pilgern ausprobieren. Wir legten uns mit dem Kopf Richtung Kathedrale auf den Rücken und sahen uns die Kirche über Kopf an. Manchmal muss man auch die Perspektive wechseln.

 

Heute Morgen ging es dann um 8.00 Uhr zum deutschen Gottesdienst in eine Seitenkapelle der Kathedrale. Dort bekamen wir auch gleich den Tipp, wo wir anschließend reichlich und günstig Frühstück bekommen. Die Seelsorger vor Ort wissen halt, was das Pilgerherz neben geistlichem Beistand auch begehrt.

 

Zur Mittagszeit besuchten wir die offizielle Pilgermesse. Obwohl wir eine Stunde früher da waren, war die Schlange vor dem Eingang sehr lang. Ich weiß nicht, ob die Königin noch da war, aber es spielte auf jeden Fall eine Kapelle und am Ende des Gottesdienstes wurde das Botafumeiro, das große Weihrauchfass, geschwenkt. Das ist schon ein toller Anblick, wenn sich das Fass, das an Seilen an der Decke befestigt ist, sich über die komplette Breite des Querschiffs bewegt. Das passiert meist nur an Sonn- und Feiertagen oder wenn ein Gönner gefunden wird.

 

Später möchten wir noch das Angebot der deutschen Pilgervertretung nutzen und eine Führung rund um die Kathedrale mitmachen. Und dann bricht schon der letzten Abend unseres Abenteuer Jakobsweg an.

Tag 15: Heimreise und Rückblick

Wir sind wieder daheim.

 

Die Führung um die Kathedrale gestern Abend war sehr interessant. Es ist unglaublich, was man alles entdecken kann, wenn jemand einem sagt, wo man hinschauen soll.

 

Danach sind wir noch etwas Essen gegangen. Wir waren im Casa Manolo, ein Tipp aus unserem Pilgerführer, den wir auch weitergeben können. Hier sind die Pilgerteller wirklich gut gefüllt, das haben wir leider nicht immer ganz so erlebt. Danach ließen wir den Abend ruhig mit einem Vino Tinto ausklingen.

 

Am nächsten Tag stand alles auf Abreise. Wir mußten schon um 20 Minuten vor Acht los, da der Flieger um 10.15 Uhr startete. Die Rückreise verlief problemlos und außer langen Warteschlangen in Basel an der Passkontrolle gab es keine Besonderheiten.

 

Jetzt sind wir daheim und die Reise klingt noch immer nach.

Wir haben viel geleistet. Immerhin haben wir trotz unserer kleiner Busfahrten über 200 Kilometer zu Fuss zurückgelegt. Wir haben Schweiß (sehr, sehr viel Schweiß) und die eine oder andere Träne vergossen.

 

Aber wir haben auch sehr viel erlebt. Wir haben Menschen aus der ganzen Welt getroffen und sind ein Stück des Weges zusammen gegangen. Wir dürfen das Geheimnis Jakobsweg ein bisschen entdecken und auch ein bisschen dazu beitragen. Es ist sicher eine Zeit, die uns noch sehr, sehr lange im Gedächtnis bleiben wird.

 

Und ich hoffe, dass alle, die diesen Blog mitgelesen haben, auch ein bisschen miterleben konnten, wie es sich so anfühlt: das Abenteuer Jakobsweg

 

Eure Katja

 

PS: Diesen kleinen Spruch haben wir von der deutschsprachigen Pilgerseelsorge Santiago bekommen:

 

   Deine Wege gesichert

   Deine Hände geöffnet

   Dein Herz erfüllt

   Dein Leben gesegnet

 

Das wünsche ich Euch auch!